22. Oktober 2014

10# Das Zeitalter der Empathie oder „Alter, Empathie!?“

Es haben sich interessante Protagonisten zusammengefunden, um eine „stille“ Revolution in der Wirtschaftswelt stattfinden zu lassen: Es geht um eine verstärkte Integration von Achtsamkeit und Bewusstheit in der Wirtschaft. Aktuell wird im Rahmen eines Crowdfundingprojektes für diesen Film gesammelt. Die Ziele, die er verfolgt, sind in der Tat sehr interessant und ansprechend. 

Vor, sagen wir, etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren hätte man jegliche Verbindung oder ein Zusammendenken der Begriffe Wirtschaft und Achtsamkeit als pure Esoterik abgetan und hätte sie nicht weiter beachtet. Der hervorragende Artikel von Judith Wegener, welcher auf einer realen Studie des Personaldiensleisters metafive beruht, zeigt jedoch, dass Achtsamkeitstrainings zu den aktuell am häufigsten gebuchten Trainings gehören. 

Auch der Harvard Business Manager meint, dass es einen neuen Führungsstil brauche, der auf Empathie beruhe. – Empathie ist ein Ergebnis von Achtsamkeit. Wenn ich in einer achtsamen und wertschätzenden Haltung bin in Bezug auf die Dinge, die in mir und um mich herum passieren, dann kann ich mit Empathie führen. Das heißt, ich fühle auch, anstatt nur zu denken. Der Vorteil hiervon ist, dass ich mich nicht verspanne. Wir alle kennen Denkerfalten und die Verspannung des Rückens, die neben vielem Sitzen vor dem Computer durch eine angstvolle und skeptische Haltung der Welt gegenüber entstehen. Entspannung ist das Stichwort. Entspannung im Tun. Nicht Abhängen und nicht der Aktionismus. Achtsames Tun und eine achtsame Haltung sollten uns anleiten. So machen wir weniger Fehler und können unsere Arbeit und unsere Errungenschaften mehr genießen. – Eine sozialpsychologische Studie zeigte, dass Promovierende, die über die Zeit ihrer Dissertation ein Tagebuch führten, wesentlich zufriedener mit der erreichten Leistung waren, als solche, die kein Tagebuch geschrieben hatten. 

Wie kommt man da aber hin? Also zu einer achtsamen, bewussten Haltung? – In Coaching zeigt sich: Es ist sehr einfach, aber nicht einfach umzusetzen. Im Zentrum stehen Spüren, das heißt das körperliche Wahrnehmen seiner selbst, und Aufmerksamkeit. 

Was sind denn nun aber die Gründe für den Quatsch? Was ist, wenn es zeitkritische Tasks gibt? Die Konkurrenz schläft nicht! Sollen wir uns jetzt alle mit „OM“ im Büro begrüßen, statt mit „Hallo“? Sollen wir nur noch (meditierend) herumsitzen? – Nein! Wir sollen aktiv sein! Aber dies in einer wachen, bewussten und besonnenen Art und Weise. 

Hier finden Sie zwei kleine Listen – eine Do-Liste und eine Do-Not-Do-Liste -, die Ihnen helfen können, im Arbeitsalltag achtsamer mit sich und anderen umzugehen. Es sind kleine Dinge, aber mit großem Effekt:

Do-Liste:

  1. Führen Sie irgendeine tägliche Achtsamkeitsübung für sich selbst ein und führen Sie diese regelmäßig zu Hause in Ruhe aus. Ihr System wird es Ihnen danken. Anregungen für solche Übungen finden Sie zum Beispiel hier. Am Anfang kann es sein, dass Ihr Umfeld sich daran gewöhnen muss. Wenn zum Beispiel Mama 30 Minuten mal nicht verfügbar ist, anstatt wie vorher 24/7.

  2. Atmen Sie tiefer, bewusster und länger (aus). Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass tiefes und bewusstes Atmen das Leben verlängert und entspannt. Die Betonung auf dem Ausatmen hilft uns auch, loszulassen, was belastet und nicht zu uns gehört.

  3. Seien Sie verständnisvoll. Denken Sie positiv über sich und andere Menschen. Das heißt nicht, dass Sie einem Konflikt aus dem Weg gehen sollten oder billigen, wenn man Sie nicht richtig behandelt. Es heißt, dass Sie darum wissen, dass wir alle aus unserem begrenzten Bewusstsein heraus handeln, denken, argumentieren und sprechen. Denken Sie positiv über sich und Ihre Mitmenschen, zum Beispiel Ihre Kollegen und Sie werden mehr von dem erfahren, tun und bekommen, was sie wollen, anstatt dem, was sie nicht wollen. 

  4. Bewegen Sie sich! Eine befreundete Professorin von mir hatte mit dem Rauchen aufgehört. Ihre Strategie, damit überhaupt nicht wieder anzufangen, war grandios: Jedes mal, wenn sie Lust auf eine Zigarette bekam, ging sie spazieren. Nach dem kleinen Spaziergang fühlte sie sich immer wunderbar belebt und erfrischt.

  5. Seien Sie organisiert. Beispielsweise die Methoden von David Allen, die er in seinem Buch „Getting Things Done“ aufnotiert hat, helfen Ihnen, organisierter durch das Leben zu gehen und mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Die Methoden helfen, Verwirrung, Ziellosigkeit und somit auch Nervosität zu vermeiden. Es gibt auch sehr hilfreiche Software-Tools für das Selbstmanagement, wie zum Beispiel Evernote oder Omnifocus, auf die ich schwöre.

Und das bringt uns auch schon zur Do-Not-Do-Liste:

  1. Rauchen Sie wenig bis gar nicht. Starkes Rauchen stört die Fähigkeit, tief zu atmen und in der Meditation tiefere Erfahrungen zu machen. Im Übrigen ist es schlecht für Ihr Liebesleben. Hin und wieder Genuß- und Partyzigaretten sind ok.

  2. Trinken Sie weniger bis keinen Kaffee. – Kaffee hat gesunde Effekte und Kaffee macht uns wach. Erhöhter Kaffeekonsum führt jedoch auf Dauer auch zu Nervosität, Burnout und aktiviert unser Stresssystem.

  3. Reden Sie nicht schlecht über andere in deren Abwesenheit. Es ist leicht gesagt, aber die wenigsten tun es: Wenn Sie mit jemandem einen Konflikt oder ein ungeklärtes Thema haben, klären Sie es mit der Person selbst, anstatt hinter ihrem Rücken zu lästern. Auch wenn es viele tun, wird Lästern dennoch als unprofessionell wahrgenommen und es vergiftet jede gesunde Team-Atmosphäre. Scheuen Sie nicht die klaren Worte. Aber seien Sie sich des Tones, der Adressaten und der Wirkungen Ihrer Worte bewusst.

  4. Meiden Sie Menschen, die Ihnen nicht gut tun. Es wird darüber viel geschrieben heutzutage. „Stay away from energy-vampires.“ und so weiter. Und da ist auch wirklich etwas dran. Tun Sie sich etwas Gutes und geben Sie sich nach Möglichkeit nicht mit solchen ab, die ständig nörgeln und in deren Gegenwart Sie beginnen, sich müde und schlapp zu fühlen. Das heißt aber nicht, dass Positivität zum Fanatismus wird. Sie dürfen weiterhin für nahe Freunde und Verwandte in Krisenzeiten da sein und zuhören. Seien Sie aber achtsam damit, wen Sie in Ihren engeren Kreis lassen und wen Sie lieber ausschließen. Das ist ok. Und gesund. Und sorgt dafür, das Sie in den Situationen, in denen es wichtig ist: Empathie zeigen können!

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