05. April 2014

#9 Warum die Zukunft (ausnahmsweise mal auch) den Männern gehört

Über meinen Facebook-Feed lese ich fast täglich die sehr berührenden Postings des Mankind Projects. Das Mankind Project ist eine globale Non-Profit-Organisation, die sich über Spenden finanziert und herausfordernde, im höchsten Maße persönlichkeitsstärkende Programme für Männer auf jeder Stufe ihres Lebens entwickelt.  Auch deshalb denke ich neben meinen Überlegungen zum Feminismus und zu Diversity oft über Männerthemen nach. Vor ein paar Tagen sah ich zwei junge Männer um die Anfang zwanzig zu, wie sie sich in einem Café unterhielten. Offenbar waren sie gute bis enge Freunde. Und da ist mir etwas aufgefallen: Die beiden haben sich im Gespräch oft berührt und gelacht. Sie wirkten sehr natürlich und sehr ausgeglichen in diesem Gespräch. Und da hatte ich den Gedanken, dass wir doch eigentlich sehr weit gekommen sind. Möglicherweise. Mit diesem ganzen Geschlechterzeugs da.

Wenn man das alles aus der Perspektive der analytischen Psychologie von C.G. Jung betrachten will, so geht es im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen darum, weibliche und männliche Anteile in sich zu harmonisieren. – Liebe Dekonstruktivisten und Poststrukturalisten, wir vergessen jetzt einmal kurz, dass Gender auch gemacht wird, in Ordnung? Ich meine, wir dürfen viel sein. Frauen dürfen/sollen führen. Menschen mit Migrationshintergrund sollen in unsere Politik. Und vielleicht dürfen Männer auch sensibel sein. Und eben das leben, was man ihre weibliche Seite nennen könnte. Es gibt so Phänomene, dass viele junge Frauen heute sehr karriere- und erfolgsorientiert, viele Männer dagegen sind. Alles ein Effekt der Kultur? Ein Bekannter erzählte mir, dass seine Bekanntschaft, die mit 25 in Medizin promoviere, am meisten diese Entspanntheit schätze, die er habe. – Er hat im Alter von 25 nach einer Ausbildung noch ein neues Studium begonnen. So was von verrückt! Und so denke ich darüber nach, wie schwer das sein muss und wie Kultur uns formt. So manche junge Frau hat heute mehr klassisch männliches Konnotiertes an sich als so mancher junger Mann. Möglicherweise, weil sie von Müttern erzogen wurden, die bestimmte Lektionen gelernt und in Organisationskulturen gearbeitet haben, in denen Bestehen und Aufstieg nur über die Anpassung an männliche Logiken geknüpft waren. Möglicherweise. Aus meiner Sicht auch deshalb, weil Frauen sich einer vorwiegend männlich geprägten kapitalistischen Logik angepasst haben und weiterhin anpassen, die auf Selbstdurchsetzung und Erfolgsstreben ausgerichtet ist (was im Übrigen nicht ausschließlich „schlechte“ Dinge sind). Und so muss ich denken: Vielleicht sind Männer dann doch die Gewinner. Denn sie sind schon Männer. Sie müssen sich keiner Logik mehr anpassen. Sie verkörpern sie auch schon, die Logik, von Geburt aus. Aber vielleicht sind unsere Organisationen auch gar nicht mehr so männlich, sondern eher mehr kapitalistisch-weiblich-angepasst. Wie dem auch sei. Ich möchte hier zu gerne mal in Deutschland eine flächendeckende Forschungsarbeit  mit den Kulturdimensionen von Hofstede durchführen, um das zu wissen… Wie dem auch sei… Die These war, dass die Männer die Gewinner sind. Und das sind natürlich nicht nur sie. Gerade, wenn es um Gender-bezogene Change Prozesse in Organisationen (oder in der Gesellschaft) geht, gibt es immer Verhandlungsspielräume und auf beiden Seiten jeweils etwas zu gewinnen oder zu verlieren. Das alles changiert dann immer um die Achse der Macht. Dinge verändern sich, Dinge verschieben sich. Werden komplexer. Vermischen sich. Werden neu verhandelt. Und so weiter.

Auch wenn wir noch einen Gender Pay Gap und zu wenige männliche Pfleger haben und zu wenige Frauen in vielen Bereichen nur mit großen Schwierigkeiten die Karriereleiter erklimmen können und viele andere „Gender Issues“, so haben wir doch hier und da Vieles gewonnen und gewinnen ständig mehr hiervon dazu: persönliche Freiheit. – Wenn es also heißt, dass Männer die Verlierer unserer Zeit sind, kann es ratsam sein, sich einmal zurückzulehnen und genau hinzuschauen. Um dann festzustellen, dass sie nur gewinnen können. Auch von Gleichstellung. – Wenn sie es richtig anstellen. Möglicherweise.

Autor: Riadh Brisam

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