28. Juli 2016

#14 Entweder/Oder – oder gar: nichts?

Gestern war ich Zeuge eines Gesprächs in einem Restaurant. Zwei Männer der Sorte „Jungeblieben und Hip“, etwa Anfang 40 sprechen: „Es ist schlimm. Erst hatte ich einen Job, der war gut bezahlt. Der hat mir keinen Spaß gemacht. Jetzt habe ich einen Job, der macht mir Spaß, aber ich verdiene kein Geld. Es ist zum aus der Haut fahren.“ Ich bin ein offener Typ. Ich schalte mich also frech ein und rufe rüber: „Selbstständig machen.“ Entgegnet er: „Nicht schon wieder.“ 

Sehr bemerkenswert alles aus meiner Sicht. Nun, was macht der Kerl aus der Sicht eines Coaches – also meiner – alles „verkehrt“? Oder formulieren wir es einmal anders: wie repräsentiert er die Fakten seines Lebens für seinen eigenen Erfolg ungünstig? 

1. Er feiert seine Erfolge nicht wirklich. Er hatte einen sehr gut bezahlten Job. Wie viele Menschen auf diesem Planeten können das von sich behaupten? 
2. Er sucht nicht nach den Botschaften der Situation. Will heißen: er fragt nicht: „Was will uns diese Werbesendung sagen?“ – Könnte er sich nicht fragen, was der gut bezahlte Job hatte, das der schlecht bezahlte Job nicht hatte und umgekehrt? Und dies dann für eine Synthese nutzen, um zu einem ganz neuen, lukrativen UND zufrieden machenden Job-Ergebnis zu kommen?
3. Er denkt zu absolut. Ich kann mir vorstellen, dass der erste Job, den die Person hatte, nicht einen Lohn hatte, der ein Vorstandsgehalt überstieg – seinem Aussehen zu urteilen. Genauso wenig wird der aktuelle Job ihn am Hungertuch nagen lassen. Vielleicht würde ihm eine Formulierung helfen wie diese: „Ich bin für mich auf der Suche nach einer idealen beruflichen Situation, die wirklich zu mir passt. Mein alter Job war für mein Empfinden gut bezahlt. Das war gut daran. Aber XY hat mir daran nicht gefallen. Nun habe ich einen Job, bei dem mich die Tätigkeit erfüllt, aber da wo ich jetzt bin, ist es nicht so gut bezahlt. Wie kann ich nur einen Job finden, der gut bezahlt ist UND mich glücklich macht? Ich möchte mich weiterentwickeln und einen Weg finden, wie ich beides in mein Leben integrieren kann. Hierfür könnte ich zum Beispiel Z tun. (Einen Coach buchen versteht sich 😉oder etwas ganz Neues ausprobieren). Ich war ja schon schon einmal selbstständig. Vielleicht kann ich aus all den Erfahrungen, die ich gesammelt habe, Lehren ziehen, die auf ein neues, sinnvolles Ziel verweisen? Wie genau kann ich die Aspekte aus meinen bisherigen beruflichen Stationen, die mir gefallen haben, in eine ganz neue Aufgabe und einen bisher nicht für möglich gehaltenen Weg münden lassen?“
4. Er nimmt Impulse von aussen, die seine Weltsicht hinterfragen, nicht ernst. Wäre er neugierig, interessiert und sich darüber bewusst, dass wir alle den lieben langen Tag meistens Schwachsinn denken, wenn wir nicht aktiv etwas für unsere Gehirnhygiene tun, dann hätte er möglicherweise aufgehorcht und zum Beispiel gefragt: „Soso, Sie sind also offenbar selbstständig. Und wie ist das für Sie?“ Er hätte dann auch eingeräumt, dass wir in unterschiedlichen Welten leben und Dinge unterschiedlich wahrnehmen. 
Die Weltsicht des Anderen kann uns bereichern.

Autor: Riadh Brisam

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